Wir füttern was wir lieben?

Project Description

Immer wieder bekommen wir Telefonanrufe von Menschen die erzählen wie tierlieb sie sind, dass sie Tieren immer wieder helfen und auch füttern.

 

Unerwünschtes „Großvieh“ im Garten
Einmal ist es der Herr, der großzügig die Wildvögel im Garten füttert. Ihm gefällt das bunte Treiben der kleinen Piepmätze, es ist Leben im Garten, wunderschön zu beobachten.
Aber dann: Ungebetene Gäste!

 

Eine Katastrophe!
Der Mann sieht sein vermeintliches Vogelparadies im Garten erheblich gestört!
Wörtlich teilte er uns entrüstet am Telefon mit, dass „Großvieh“ sich an seiner Vogelfutterstelle breit mache und das wolle er nicht.
Wir, also der Tierschutz, sollten das „Großvieh“ bitte entfernen.
Auf unsere Nachfrage erfuhren wir dann von ihm, dass es sich bei dem „Großvieh“ um Tauben handelte.

Natürlich möchten auch Vögel wie Tauben etwas vom Angebot an einer Futterstelle für Vögel abbekommen.
Diese Tiere leiden ebenso wie andere Vögel Hunger und versuchen ebenso wie die anderen kleineren und glücklicherweise meist beliebten Gartenvögel zu überleben.

 

Bitte vorher überlegen
Wer nicht die unterschiedlichen Vogelarten, zu denen unter Umständen auch große Vögel gehören, im Garten wünscht, sollte sich Gedanken machen, bevor er Futterstellen für Vögel einrichtet. Zuerst freimütig ein Futterangebot bereitzustellen und später den Tierschutz anrufen um ungebetene Vögel entfernen lassen zu wollen, funktioniert nicht.

 

Verwilderte Katzen füttern
Manche tun es absichtlich, andere dagegen füttern irgendwie recht unbedacht wilde Katzen an.

Die absichtlichen Fütterer geben an, den Tieren mit regelmäßigen Fütterungen helfen zu wollen. Also füttern sie. Sie füttern täglich, lange Zeit, es kommen die ersten verwilderten Babykatzen mit an die Futterstelle. Damit habe man ja nicht gerechnet und dann waren auch plötzlich wieder welche weg und ups, plötzlich schon wieder Kleine, also das habe man ja nicht gedacht, dass das so schnell geht, dass da schon wieder Kleine sind und tja nun sehen die ganz schlecht aus, die Augen verklebt und so aber anfassen lassen die sich natürlich nicht. So habe man sich das mit den Katzen nicht vorgestellt. Der Tierschutz soll sich doch bitte kümmern.
Solche Gespräche müssen wir leider sehr häufig führen.

 

Wer füttert, dem gehört das Tier!
Ist deshalb das klare Statement das viele Tierschutzorganisationen vertreten.
Nicht irgendeine Tierschutzorganisation muss deshalb für die Kosten eines solchen, über Monate angefütterten Tieres (und deren Nachkommen) aufkommen, sondern der Fütterer.
Wir persönlich wollen den Tieren, so lange es unsere Möglichkeiten zulassen, immer wieder helfen. Wird uns eine verwilderte Katze, die zugelaufen ist und gefüttert wird zeitnah gemeldet, helfen wir wo wir können. Ist das Tier tatsächlich verwildert und damit nicht vermittelbar, setzen wir es nach der medizinischen Versorgung und Kastration wieder am Fundort frei, wo es von dem tierlieben Finder weitergefüttert werden kann, ohne unerwünschten Nachwuchs zu produzieren.

 

Die unabsichtlichen Fütterer
Die Einen meinen sie füttern im Winter einen Igel (obwohl Igel ja Winterschlaf halten müssten), die Nächsten stellen ihren eigenen Hauskatzen immer schön ein Schälchen Futter raus und wundern sich, dass ihnen Jahr für Jahr verwilderte Katze im eigenen Garten begegnen. Diese unkastrierten, verwilderten Überlebenskünstler nutzen draußen angebotenes Futter. Ihnen ist es völlig schnurz, dass dieses Futter nicht für sie bestimmt ist. Und wo sie einmal Erfolg hatten, dort werden sie wieder auftauchen.

 

Katzenzank vorprogrammiert
Sitzt die zum Haus gehörende eigene Katze an der begehrten Futterstelle wird diese vom Wildling vertrieben. So kommt es oft zu Reibereien zwischen verwilderten Hauskatzen und zahmen Katzenlieblingen. Wer nach Meinung der Menschen gehen soll ist klar: Der verwilderte, ungebetene Gast!
Gern wird hierbei völlig außer Acht gelassen, dass eigentlich der Mensch einen Großteil zur Eskalation der Angelegenheit beigetragen hat.
Der eine weil er seine Katzen nicht kastriert und es zu unerwünschten, verwilderten Katzennachwuchs kommt – der nächste weil er draußen unkontrolliert Katzenfutter anbietet und sich bei ihm dann die verwilderten, hungrigen Katzen sammeln.

 

Leidtragende sind letztlich die Wildlinge
Sie sollen nur weg und das am liebsten sofort. Ein Anruf beim Tierschutz – die sollen sich mal kümmern.
Und wiederkommen soll die verwilderte Katze natürlich nicht.

So müssen wir sie fangen, diese Wilden. Das erste Mal begrenzt auf engem Raum drehen nicht wenige von ihnen verständlicherweise völlig durch. Angst füllt ihre Augen, mit riesigen, schwarzen Pupillen drücken sie sich in die hinterste Ecke. Manche verweigern die Nahrung völlig, andere urinieren unter sich wenn wir ihnen näher kommen. Manche schreien weinend nach ihrer Freiheit, andere sind ganz, ganz still und starr. Eine Qual für die Katzen aber auch eine Qual für uns die versuchen ihnen zu helfen. Nur zurück in ihr Revier dürfen wir sie nicht bringen und einen neuen Platz wo man sie schätzen würde, können wir leider nicht aus dem Ärmel zaubern.

Deshalb:
Überlegen Sie vorher sehr genau, welchen Tieren Sie helfen und damit füttern und versorgen möchten. Denn damit geht auch eine Verantwortung einher die Sie als Fütterer tragen. Überlegen Sie vorher welche Konsequenz Ihr Fütterungsverhalten haben könnte und wie Sie damit umgehen werden oder ob Sie dann ggf. doch lieber Abstand davon nehmen – denn das ist wirkliche Tierliebe.